Versagen kostet Milliarden

Versagen kostet Milliarden

Krisenmanagement, egal ob im betrieblichen Bereich oder in einer Volkswirtschaft, heißt immer unmittelbar, von Anfang an mit den maximalen Maßnahmen anzufangen. Auch wenn diese Maßnahmen am Anfang für vollkommen überzogen angesehen werden, kann eine Krise nur durch sofortiges Klotzen überwunden werden. Hier ein sehr aktuelles Beispiel, wie man es nie machen sollte.

Spätestens seit Ende Januar ist dem aufmerksamen Leser klar, dass eine Pandemie über Europa hinwegfegen wird. Nachdem sich das kleine Virus aus China herausbewegt hatte, erst in die Nachbarländer, kam es dann mit Touristen und Geschäftsleuten nach Europa und Deutschland. Die erste Infektion in Deutschland betraf einen Mitarbeiter von Webasto am 24. Januar 2020. Das hätte ein Warnsignal sein müssen.

Während in China mit hohen Aufwand Mega-Städte abgeriegelt und sehr spektakulär regelrecht entseucht wurden, hat man in Deutschland ob des Aufstandes nur gelächelt. Vielfach sind führende deutsche Politiker wohl immer noch der Meinung, dass China ein Entwicklungsland ist und mit primitiven Mitteln arbeiten muss.

Unser Gesundheitsminister Jens Spahn hat dann plötzlich am 26. Februar (!) laut BILD gesagt: „Die Lage hat sich leider in den letzten Stunden geändert, das muss man leider sagen.“ Bis zu diesem Datum war Spahn, sowie die meisten deutschen Politiker, laut Welt, SZ, ZDF, Manager Magazin und anderen Medien der Meinung, dass die Bundesregierung alles unter Kontrolle hat. An diesem denkwürdigen 26. Februar hatten Merkel, Spahn und Österreichs Kanzler Sebastian Kurz mit Italiens Ministerpräsidenten Giuseppe Conte telefoniert und sich einen Eindruck von der Lage im Stiefelland geholt.

In Österreich wurden daraufhin in großer Eile unzählige Gesetze, Verordnungen und Erlässe in Kraft gesetzt. Der Grenzverkehr von Italien nach Österreich wurde im Folgenden (6.3.) stark eingeschränkt, Betriebe, Schulen und Kitas wurden geschlossen, Versammlungen verboten.

Am 9. März kommt ein Aufruf von Spahn an die deutsche Bevölkerung daran mitzuwirken die Verbreitung des Virus einzudämmen. Nach Merkels historischer Rede am 16. März erfolgen dann praktische Maßnahmen, Bars, Clubs, Sportveranstaltungen etc. sollen geschlossen werden, Restaurants nur bis 18 Uhr geöffnet sein. Schließlich verkündigt Bayerns Ministerpräsident Markus Söder am 20. März umfangreiche Ausgangsbeschränkungen und Geschäftsschließungen. Am 23. März kündigt Kanzlerin Merkel dann ähnliche Vorschriften wie in Bayern an.

Wieso mache ich mir die Mühe diese Historie aufzuzeigen? Ich zeige es dem werten Leser anhand der folgenden Zahlen.

24.01.2020Erster Infizierte in Deutschland
26.02.202026 Infizierte
06.03.2020670 Infizierte
09.03.20201.224 Infizierte
16.03.20207.272 Infizierte
20.03.202019.303 Infizierte
23.03.202038.514 Infizierte
Covid-19 Infizierte in Deutschland

Wie jeder schnell erkennt, verdoppelt sich die Zahl der Infizierten in etwa alle 3 Tage. Das ist seit Januar aus China bekannt, später aus Korea, von der Princess Diamond und aus vielen weiteren Ländern. Es gibt keinen Grund, warum diese Zahl in Deutschland anders sein sollte. Bis Ende März wird sich die Zahl trotz Ausgangssperren und weiteren Maßnahmen auf etwa 250.000 Fälle vervielfacht haben! Das kann jeder Viertklässler auf einem Blatt Papier ausrechnen.

Da bekannt ist, dass die Inkubationszeit bis zu zwei Wochen dauern kann, deshalb die 14-tägige Quarantänezeit, wird die Zahl der Infizierten auch nach einem totalen Kontaktverbot weiterhin im gleichen Rhythmus wachsen.

Hätte die Regierung bereits am 6. März ähnlich Österreich eine großangelegte Ausgangssperre erlassen, wären die Fälle bis zum 20. März ebenso auf ca. 19.300 Infizierte angestiegen. Allerdings hätten sich ab diesem Datum nur noch sehr wenige Menschen neu angesteckt und die Zahl der Infizierten wäre insgesamt im Bereich 20.000 bis vielleicht 30.000 stecken geblieben. Japan und Korea sind sogar nach einstelligen Fallzahlen mit umfangreichen Maßnahmen und Grenzschließungen der Lage sehr schnell Herr geworden.

Die vertrödelten 2 ½ Wochen, also der 23. März als effektiver Startpunkt für Maßnahmen, bedeutet nun, dass sich im günstigsten Fall weit über 1 Million Menschen in Deutschland mit dem Corona-Virus anstecken werden. Auch zwei Wochen später, dem 5. April, werden sich wegen der schieren Masse an Infizierten die täglichen Zuwachszahlen trotz all der Maßnahmen noch im Zehntausenderbereich bewegen!

Prognose mit fallender Infektionsrate in 3 Schritten

Es ist aus China und Ostasien bekannt, dass ca. 5% der Patienten auf die Intensivstation müssen, da sie künstliche Beatmung benötigen oder an multiplen Organversagen leiden. Rund 2% der Infizierten werden diesen Vorgang nicht überleben. In Italien ist diese Rate noch wesentlich höher. Es ist ein wesentlicher Unterschied, ob diese 5% Schwersterkrankter auf der Basis von 30.000 Infizierten (also 1.500) oder auf der Basis von 1 Million Infizierter (also 50.000) liegt. Das deutsche Gesundheitssystem kann 1.500 Schwersterkrankter sicherlich gut verkraften. Leider müssen wir nun mit mehr als 50.000 Corona-Patienten innerhalb der nächsten Wochen in den deutschen Kliniken rechnen, die alle auf die Intensivstation müssen. Zirka 20.000 werden das nicht überleben.

Aus vorgenannten Zahlen ist leicht ablesbar, dass auch die Kosten wegen der 2 ½ verschlafenen Wochen drastisch ansteigen werden. Hätte man am 6. März jedem Bundesbürger 500 Euro zum Kauf von Lebensmitteln für vier Wochen in die Hand gegeben und sämtliche Bewegung drastisch reduziert, wäre der Invest 40 Milliarden gewesen, bei 100% Erfolgsgarantie. Nun wurden 150 Milliarden bereitgestellt und der Ausgang ist noch sehr fraglich. Wahrscheinlich werden die Kosten auf 600 Milliarden oder gar 1 Billion Euro ansteigen. Meine persönliche Meinung!

Wie anfangs beschrieben, müssen in einer Krise von Anfang an sehr drastische Maßnahmen in sehr kurze Zeit auf den Weg gebracht werden. Das wird auch für die vielen deutschen Kleinunternehmen und Mittelständer gelten. Über 80% davon werden nicht ausreichend Maßnahmen ergreifen, weil sie schlicht keine Erfahrung für solche Mega-Krisen haben. Sie werden viel zu zögerlich anfangen und ihnen wird die Zeit davonlaufen. Zeit ist jedoch das wichtigste Gut in einer Krise! Diese Reinigung des Marktes werden also nur schnell handelnde Unternehmen als Gewinner verlassen oder sehr finanzstarke Unternehmen.

Krisenmanager und Insolvenzverwalter werden in den nächsten Monaten und Jahren viel zu tun haben.

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