Krisenmanagement in der GAU-Krise

Krisenmanagement in der GAU-Krise

Darum sollten Sie die Politiker diesmal sehr ernst nehmen!

Im Rahmen der immer offensichtlicher werdenden Bedrohung durch ein 0,1 Mikrometer großes Objekt handelt die viertgrößte Wirtschaftsmacht unseres Planeten vollkommen planlos. Seit Mitte Januar breitete sich dieses Objekt von China ausgehend langsam in den Rest der Welt aus, zuerst vereinzelt entlang der Flugrouten, später in der Destination auch an Land. Seit Anfang Februar wusste jeder Interessierte, dass dieses kleine Kügelchen sich explosionsartig vermehrt, wenn es nicht von Anfang an klein gehalten wird. Und dass es absolut tödliche Eigenschaften hat.

Aber statt die Situation ernst zu nehmen, wurde das hübsche kleine Kügelchen eher belächelt. Viele haben den Ernst der Lage immer noch nicht erkannt und werden von Politikern und Medien darin bestärkt. Und nun ist es erstmal hier. Aber es verbreitet sich genauso schnell wie in China, ist hier wie da genauso tödlich.

Während viele Länder längs ihre Grenzen geschlossen haben, ist man in Deutschland am 10. März 2020 noch der Meinung, man könnte das Mini-Objekt mit lokalen Maßnahmen aufhalten. Was sich natürlich mit etwas Verstand und Nachlesen als kompletter Unsinn versteht. Unterstützt werden diese Politiker von allerlei Fachleuten, Professoren, Institutsleiter und dergleichen, die ihre singuläre Sichtweise darlegen und daraus den Schluss ziehen, dass die Sache mit dem kleinen Kügelchen gar nicht so wild sei.

Leider fehlt in dieser Betrachtung jemand, der diese Singularitäten zu einem Bild verdichtet. Und dazu sind die derzeitigen Politiker unisono nicht in der Lage. Natürlich ist ein einzelner Aspekt fast immer beherrschbar, manchmal auch ein paar mehr, aber im Zusammenhang mit vielen parallelen und vor- und nachgeschalteten Aspekten sieht das Bild plötzlich vollkommen anders aus. Politstrategen, deren Horizont maximal bis zur nächsten Wahl reicht, die eher im Hinterzimmer zu Entscheidungen kommen als in offensivem Handeln, sind plötzlich hoffnungslos überfordert. Die Geschichtsbücher sind voll dieser Spezies, die aber in Krisen schnell von der Bildfläche verschwanden.

Das Krisenmanagement der Bundesrepublik Deutschland ist in einer schweren Krise. Proaktives Handeln wird meistens durch Abwarten und Aussitzen ersetzt, allerdings mit löblichen Ausnahmen. Es geht offenbar mehr um das Erhalten des derzeitigen Gefüges als um die Offensive angesichts einer schwer kalkulierbaren Katastrophe. Wer offensiv vorgeht und wichtige Entscheidungen trifft, ist meistens sehr angreifbar und verliert in der Politlandschaft sehr schnell seine Freunde und Verbündeten.

Prognosen aufgrund Ausbreitungsgeschwindigkeit Stand 10.03.2020

Meine Hochrechnungen, basierend auf der derzeitigen Ausbreitungsgeschwindigkeit, ergeben über 40 Millionen Infizierte in Deutschland bis Endes 2020. Was sind überhaupt die Folgen solch eines Mega-Ereignisses? Was ist jetzt notwendig, um eine Infektionsrate von 60% und mehr, so wie von der Bundeskanzlerin bereits proklamiert, bis Ende des Jahres zu vermeiden? Ohne nochmals auf die Details unserer kleinen Kügelchen einzugehen, kann derzeit davon ausgegangen werden, dass auch der Sommer keine spürbare Entlastung bringen wird, so wie anfangs erhofft. Der kleine Feind schlägt brutal zu und bringt nach derzeitigen Erkenntnissen (Zhou et al.) ca. 20% der Infizierten in stationäre Behandlung. Viele davon werden auf eine Intensivstation liegen müssen, da vitale Funktionen der Organe, insbesondere der Lunge, dieses nötig machen.  

Zhou et al., 2020

Durchschnittlich 7 Tage nach Infekt, der einhergeht mit schweren Husten und Fieber, kommen die Schwererkrankten in die Klinik. 60% derer werden eine Blutvergiftung bekommen, gefolgt von erheblichen Atembeschwerden, die eine Beatmung erforderlich macht. Darüber hinaus gibt es in ähnlicher Größenordnung weitere schwere Symptome, z.B. schwere Kreislaufprobleme oder Nierenversagen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit liegt bei ca. 70%, also rund 30%, meist ältere Menschen verlieren ihr Leben.

Zhou et al., 2020

Bei einer ungehinderten (!) Verbreitung werden also von ca. 40 Millionen infizierten Bürgern noch dieses Jahr 20% bzw. 8 Millionen in eine Klinik eingeliefert werden müssen. Die durchschnittliche Aufenthaltszeit in der Klinik liegt für Überlebende wie für Tote fast gleichauf bei rund 2 Wochen.

Vereinfachte Milchmädchenrechnung: In den ca. 1.900 deutschen Krankenhäusern mit insgesamt 28.000 Beatmungsmöglichkeiten werden im verbleibenden Dreivierteljahr (ca. 40 Wochen) also rund 40 Restwochen / 2 Liegewochen = 20 Bettenwechsel stattfinden können. Da nur 20% der Beatmungsgeräte in der Praxis verfügbar sind, also rund 5.600 Sauerstoffgeräte, ergeben sich aus 5.600 Sauerstoffgeräten mal 20 Bettenwechsel rund 112.000 behandelbare Schwererkrankte im verbleibenden Jahr 2020. Die wenigen Glückspilze mit Klinikbetten werden zu 70%, also rund 80.000 Menschen, überleben.

Die Milchmädchenrechnung lässt natürlich außer Acht, dass zu Beginn noch genügend Kapazitäten zur Beatmung zur Verfügung stehen, ab Zeitpunkt XY aber massiver Mangel herrscht. Sie verdeutlicht aber, dass ein ungehinderter Ausbruch mit 8 Millionen klinisch zu behandelnder Schwerkranker lediglich rund 100.000 Klinikbetten gegenübersteht. Demnach werden 7,9 Mio. Mitbürger in Provisorien, zuhause oder unbehandelbar verbleiben! Wie gesagt, bei derzeitiger Ausbreitungsgeschwindigkeit.

Ganz schlaue werden sich natürlich sofort infizieren wollen, aber es gibt keine Kügelchen-Immunität! Im Gegenteil gibt es Studien, die die Zweiterkrankung als wesentlich tödlicher einstufen! Und antivirale Medikamente gibt es nicht wirklich. Einige Medikamente, sowie sie auch von den Bundesländern eingelagert wurden, wirken heilbeschleunigend, nicht heilverbessernd, allerdings bei Inkaufnahme von schweren Nebenwirkungen. Der Heilerfolg beträgt lediglich ½ bis 3 Tage, was aber in Bezug auf den Bettenwechsel positiv wirkt. Somit muss dann abgewogen werden zwischen individuellen Schaden oder Schaden an der Allgemeinheit, was natürlich darauf hinausläuft, dass der individuelle Schaden akzeptiert werden wird.

Eine Infektion kann in der Praxis kaum verhindert werden, wenn nicht für ca. 4 bis 8 Wochen jegliche Bewegung im Staate unterbleibt, so wie China das in Wuhan und vielen Provinzen durchgezogen hat. Aktuell sehe ich keine geeignete Aktivität der Politik, wie das Problem gelöst werden kann. Das Krisenmanagement ist in der Krise. Obwohl es mit ungewöhnlichen Aktionen sicherlich möglich ist den Super-GAU noch zu verhindern. Aber da fehlt es offenbar an Fantasie. Eher herrscht wohl die Hoffnung, es ist Krieg aber keiner geht hin. Nein, es ist Krieg, aber alle schauen weg.

Im Moment stehen noch genügend Ressourcen zur Verfügung, um die Ausbreitung zumindest stark zu bremsen und alles auf eine lange Zeitschiene zu verteilen. Je länger mit Maßnahmen gewartet wird, desto weniger Personal und Kapazität wird es zu einem späteren Zeitpunkt geben und desto verheerender wird das Ausmaß werden. Jetzt wird Fantasie gebraucht und kein Aussitzen! Wir können das Ruder noch herumreißen, aber nur mit echtem Krisenmanagement und viel Fantasie.


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