Künstliche Intelligenz der anderen Art

Künstliche Intelligenz der anderen Art

Doping und Drogen sind auch keine Lösung. Oder doch?Wissenschaftler arbeiten weltweit daran, das menschliche Gehirn zu optimieren. Der offizielle Fokus liegt häufig darin, Kranken und Behinderten eine Erleichterung zu verschaffen, zum Beispiel ihre Bewegungsfähigkeit wiederherzustellen oder epileptische Anfälle zu verhindern. Sicherlich steckt dahinter auch die Idee mit lukrativen Medikamenten und Methoden die Leistungsfähigkeit des Gehirns zu optimieren. Zielgruppe wären wohl Schüler, Studenten und Manager, denen kein Preis zu hoch sein dürfte.

Doch so einfach lässt sich unser Hirn nicht entschlüsseln. Das Gehirn des Menschen und der meisten Säugetiere führt im Körper ein relatives Eigenleben. Es ist halbwegs sicher im Schädel eingekapselt und durch die Blut-Hirn-Schranke vom restlichen Körper abgekapselt. Zirka zwanzig Prozent unseres Energieverbrauches findet im Hirn statt, wozu große Mengen Glukose benötigt werden. Diese und relativ wenig andere Substanzen müssen diese Barriere durchdringen, was eine hochkomplexe Prozedur ist. 98% der Neuropharmaka überwinden z.B. die Blut-Hirn-Schranke nicht und können demzufolge auch nicht im Hirn funktionieren.

Also müssen andere Mittel her, zum Beispiel die Elektrostimulation von Hirnbereichen. Dass das Hirn Wellen schlägt, ist seit langer Zeit bekannt und gemessen werden sie intensiv seit den 1980ern. Im Berliner Charité-Museum zeugen seltsame Apparate von dieser Ära. Immerhin lernen heutzutage Patienten mit dieser Technik ihren Bewegungsablauf wieder in den Griff zu bekommen. Auch Parkinson-Patienten werden elektrostimuliert, um die Ausschüttung des Dopamins anzuregen und ihnen das Leben zu erleichtern.

Der nächste Schritt ist wohl die Übertragung von Gedanken aus dem Hirn direkt in die Maschine. Forscher der Bio-Informatik analysieren dazu magnetische Muster und Durchblutungsmuster in den unterschiedlichen Hirnbereichen, um daraus ein phonetisches Muster abzuleiten. Das wird wohl noch eine Weile dauern, ist aber nicht unbedingt Science-Fiction. Wenn diese Richtung der Kommunikation einmal funktioniert, wird es sicherlich nicht lange dauern, bis der siebte Sinn sich etabliert. Dabei wird von außen Information in das menschliche Gehirn eingespeist, so wie Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Fühlen und Sprechen.

Und was bringt das? Kommunikation geht schneller, ohne Worte aussprechen oder eintippen zu müssen.

Werden wir dadurch leistungsfähiger? Wir werden schneller, manches wird effektiver sein. Aber wir sind auch empfänglicher für Manipulationen, die über einen fremdgesteuerten Kanal auf uns herein hämmern.

Werden wir schlauer? Wir werden sicherlich mehr Informationen gleichzeitig zur Verfügung haben, daraus wohl bessere Entscheidungen treffen können. Wer aber bereits heute mit der Masse an Informationen überfordert ist, wird mit noch mehr Informationen nicht besser werden.

Werden wir kreativer sein? Ja-Nein, denn Kreativität findet wohl im Hirn statt. Wer heute nicht kreativ ist, wird morgen mit dieser Technologie genauso wenig kreativ sein. Allerdings dürften die Kreativen von heute einen Vorteil haben, denn ihnen steht ein noch größerer Informationspool für das Kreuz- und Querdenken zur Verfügung. Das wird sie sicherlich beflügeln.

Wird diese Entwicklung positiv auf die Menschheit wirken? Ja-Nein, so wie das Messer. Es erleichtert die Jagd und die tägliche Arbeit, ermöglicht aber auch effektiveres Eliminieren des Gegners. Viele Entwicklungen brachten Nutzen und Verderben, es kommt also darauf an, wie die Gesellschaft damit umgeht.

Lässt sich die Entwicklung aufhalten? Nein!

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