Viel Geld hilft nicht viel

Viel Geld hilft nicht viel

Unternehmen geben viel Geld für das Geldverdienen aus. Die erfolgreichsten Consultingfirmen sind gerade gut genug, Wenn Heerscharen an jungen, dynamischen Beratern durch das Unternehmen ziehen, fühlen sich viele Chefs wohler in ihrer Haut. Aber ist das auch gerechtfertigt? Was können diese Berater, meistens direkt von der Hochschule kommend, besser als alteingesessene Mitarbeiter, die viel Erfahrung aufweisen?

Die Süddeutsche schreibt in einem Artikel vom 5. November 2018, dass junge Berater ein modernes Methodenwissen aufweisen. Das mache sie für das Lösen von Problemen so wertvoll. Allerdings hätten sie auch keinerlei oder wenig Erfahrung, gerade mit den Produkten und Leistungen des Unternehmens. Das wiederum wird kompensiert durch angelerntes sicheres Auftreten in eleganten Anzügen mit teurem Smartphone und Notebook.

Richtig ist sicherlich, dass Methodenwissen unerlässlich für eine gute Beratung ist. Aber ebenso lange Lebenserfahrung in unterschiedlichen Funktionen in einem Unternehmen. Zudem sollte ein Berater von sich aus ein äußerst kreativer Querdenker sein und nicht nur aus Standardliteratur rezitieren können oder schlimmer, diese als Fahrplan für alle Lebenslagen nutzen. Wer denkt, er könne mit seiner Marketing-Bibel ein Unternehmen in gutes Fahrwasser bringen, der hat von Marketing nichts verstanden.

Viele Unternehmen setzen gerade auf große und leuchtende Consultingnamen. Es gibt ihnen Reputation und gefühlte Sicherheit. Aber das ist weniger als die halbe Miete zum Erfolg. Ein einfacher Blick auf junge erfolgreiche Unternehmen zeigt, wie es besser geht. Was zeichnet solche Unternehmen aus, die innerhalb von ein paar Jahren oder in ein paar Jahrzehnten zum weltweiten, manchmal Hidden Champion werden? Die mit neuen Produkten einen Markt schaffen, der womöglich vorher nicht existent war?

Es sind z.B. Unternehmer wie Herrenknecht oder Eisert, die nicht jeder kennt, weil deren Produkte selten bis gar nicht gesehen werden, tief in der Erde oder in versteckten Schaltschränken. Es sind Firmen, die  locker eine Milliarde Umsatz hinlegen. Diese Firmen sind durch Patriarchen groß geworden, die ein Kundenproblem erfolgreich gelöst haben, das bis dato keiner sah. Sie haben mit (!) ihren Mitarbeitern an Lösungen gearbeitet, sie haben motiviert und ihre Mitarbeiter zu Spitzenleistungen gebracht, egal ob in der Konstruktion, im Vertrieb oder an der Drehmaschine.

Und hier trennt sich Spreu und Weizen der Beraterszene. Während die großen Berater weitgehend technisch vorgehen und einen Aufgabenblock abarbeiten, die Optimierung des Vertriebs, der Finanzwirtschaft, der Fertigung oder eines Geschäftsbereichs, gehen sie selten an die Wurzeln von allem. Und die Wurzeln sind nicht die Fabriken und die Finanzwirtschaft. Die Wurzeln liegen in den Köpfen aller Mitarbeiter des Unternehmens. Es sind auch die Emotionen, die nicht kurzfristig durch Parolen angefacht werden müssen, sondern stetig aufflammen müssen.

Dazu muss das Unternehmen nicht in einer konzertierten Aktion mit Heerscharen junger Anzugträger geflutet werden. Es ist eine längerfristige, aber tiefgreifende Erneuerung aus sich selbst erforderlich. Die Mitarbeiter müssen Vertrauen aufbauen und selbst das Ruder umlegen, müssen verstehen, woran sie arbeiten und die Motivation dazu aufbringen. Große Unternehmensberatungen führen häufig zu einer Abwehrhaltung, altgediente Abteilungsleiter manipulieren die Jungberater äußerst geschickt mit zurechtgebogenen Fakten. Das frische Methodenwissen wird durch Branchenprofis zum Eigenschutz an der Nase herum geführt – und merkt es nicht. Die Geschäftsberichte glänzen aber umso mehr, mit großen, Sicherheit gebenden Namen.  Die Geldgeber sind beruhigt angesichts dieser Investition.


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