Strategie und Pragmatismus

Strategie und Pragmatismus

Das Standardwerk der angehenden Offiziere dieser Welt stammt wohl von Carl von Clausewitz. Aus einer Offiziersfamilie stammend lernte er das Kriegshandwerk bereits mit 12 Jahren von der Pike auf, erster Einsatz mit 13 Jahren bei der Belagerung von Mainz. Im Laufe der Jahre stieg der neugierige und wissbegierige Junge bis zum Heerführer auf.

Detailliert schildert er in „Vom Kriege“ alle Aspekte zum Niederringen seiner Gegner. Die Politik, die zu erreichenden Ziele, die Vorbereitung, die Verbündeten, die Kommunikation, die Zersetzung, die Schlachtaufstellung, das Gefecht, der Rückzug, der spätere Friede sind darin wichtige, aber nicht abschließende Aspekte für eine allumfassende Strategie. Ähnlichkeiten mit der heutigen Wirtschaft sind sicherlich nicht zufällig, sind doch die Grundlagen immer die Gleichen.

Das Buch von Clausewitz muss man sich erarbeiten, ist sehr komplex und schwierig zu lesen. Aber es lohnt sich, gerade im Hinblick auf Pragmatismus innerhalb von Strategien. Das Kriegshandwerk ist blutig und somit ultimativ, Fehler werden mit Menschenleben bezahlt. Dieser Unterschied zum heutigen Wirtschaftsleben macht es wiederum gut verständlich. Es führt dem heutigen Strategen sehr bildlich vor Augen, worauf im Detail zu achten ist, aber auch was pragmatisch behandelt werden kann oder muss.

Leider ist pragmatisches Handeln gegenüber dem strategischen Aspekt sehr ins Hintertreffen geraten. Es gibt immer noch Unternehmen, die eine einmal eingeschlagene Strategie auf Biegen und Brechen durchboxen wollen – und sich jämmerlich abschießen. Die große, oft sehr teuer eingekaufte Strategie ist ihr Maßstab, das Abweichen wird als Durchsetzungsschwäche gesehen. Diejenigen, die sich dabei auf Clausewitz oder seine Jünger berufen, haben Clausewitz entweder nicht vollständig gelesen oder einfach nicht verstanden. Er sah sein Werk als nicht vollendet an, hatte offenbar noch viele Impressionen einarbeiten wollen, aber die Cholera beendete sein Wirken vorzeitig.

Die Strategie gibt lediglich ein weit entferntes Ziel wieder, das erreicht werden soll. Ein Zeitplan dazu gibt den notwendigen Rahmen, aber dieser hat eine gewisse Flexibilität. Die einzusetzenden Mittel richten sich nach der Verfügbarkeit, die sich im Laufe des Prozesses durchaus ändern können. So wie Clausewitz nach einer verlorenen Schlacht halt mit weniger Soldaten, Material und einer veränderten Gesamtlage zurecht kommen musste, so gibt es im Wirtschaftsleben positiv und negativ wirkende Einflüsse, die es einzubeziehen gilt. Das Hinzukommen neuer Wettbewerber oder disruptive Entwicklungen der Technik wären da zu nennen. Pragmatismus heißt seine Taktik an die stetigen Veränderungen anzupassen ohne das langfristige Ziel aus den Augen zu verlieren. Und bei Bedarf auch Ziel und Strategie anzupassen!

Nur die angewandte Kombination aus Strategie und Taktik mit einer ordentlichen Portion Pragmatismus bringt die jeweilige Unternehmung weiter, auf dem Schlachtfeld und in der Wirtschaft.


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