Silberne Sargnägel für den Mittelstand

Silberne Sargnägel für den Mittelstand

In wirtschaftlich glänzenden Zeiten sollten deutsche Mittelständler einen neuen Geschäftszweig aufmachen: die Produktion von silbernen Sargnägeln. Diese werden nicht unbedingt ein Exportschlager, das ist gewiss. Sollen sie auch gar nicht, denn sie werden dringend hierzulande benötigt.

Eine Studie von 2018 sieht Deutschland auf Platz 32 von 36 OECD-Staaten bei der Verfügbarkeit von Glasfasernetzen in Haushalten und Unternehmen. Gerade 2,3% der hiesigen Anschlüsse sind für große Datenmengen geeignet. Südkorea (76,8%), Japan (76,7%), Litauen (70,8%), Lettland (64,6%) und Schweden (61,8%) sind die Spitzenreiter. Wundert es da, dass wir Deutschen den Zug der Zeit verpassen? Wie soll Deutschland die digitale Revolution mitgestalten, wenn sie niemand auch nur annähernd kennt? Wir reden über Digitalisierung, Robotik, Künstliche Intelligenz, vernetztes Arbeiten und Fortschritt, können die Möglichkeiten aber niemals ausprobieren und erlernen. Wie soll daraus jemals eigene Innovation erwachsen? Etwa nur theoretisch auf dem Papier, ohne jeden Praxisbezug?

Während in Japan bereits humanoide Roboter als Dienstleister eingesetzt werden, zum Beispiel im Restaurant als Bedienung oder im Hotel als Portier, beginnen wir gerademal mit dem ticketlosen Bezahlen in öffentlichen Verkehrsmitteln. Deutschland hinkt der digitalen Zukunft hoffnungslos hinterher. Es wiederholt den Fehler der Briten, der einstigen Industrienation Nummer eins, die ebenso den Zug der Zeit verpassten und im produzierenden Bereich zum Niemand abgestiegen sind.

Welches mittelständische deutsche Unternehmen hat so viel digitale Kompetenz aufgebaut, dass es daraus ein Geschäftsmodell entwickeln kann oder könnte? Meist reicht es noch nicht einmal so weit, dass Teams digital zusammen geschaltet werden, aus dem Haupthaus, den Niederlassungen und den diversen HomeOffices. Internationale Projektgruppen, die effektiv zusammenarbeiten, sind rühmliche Ausnahmen und nicht die Regel. IT-Administratoren sind zum Austausch von PC-Komponenten, zur Wartung von Druckern und Installation von Standard-Software da, spielen ansonsten keine Rolle im Unternehmen.

Der Begriff Blockchain wird gleichgesetzt mit Bitcoins, Künstliche Intelligenz womöglich als eine Stilrichtung des Impressionismus, Quantencomputer als solargespeiste Rechner. Dass alle diese Begriffe in wenigen Jahren das tägliche Leben an jeder Ecke steuern, ist fast niemanden bewusst. Dumme Maschinen ohne IoT (Internet of Things bzw. Internet der Dinge) haben keinerlei Zukunft. Selbst das Küchenmesser dürfte in nicht allzu weiter Zukunft einen Chip in sich tragen und dem Koch oder der Köchin beim Schnitt von saftigen Bratenstücken unterstützen. Was für uns zurzeit vollkommen obskur ist, wird bald Realität sein. Weltweit denken Millionen von Asiaten und Kaliforniern darüber nach, was als nächstes zu digitalisieren ist. Und dabei gibt es keinerlei Grenzen, weder technisch noch ethisch. Sex via Internet und Sensorik? Gibt es schon. Künstliche Befruchtung mit genmanipulierten Embryos? Außerhalb von Europa keine Frage. Sterbehilfe durch künstliche Insekten, die Gift injizieren? Durchaus vorstellbar, denn Ethik ist immer ein Konstrukt seiner Zeit. Und Grenzen verwischen und verschwinden.

Sie merken, wenn der Zug in einer digitalisierten Welt mal läuft, dann gibt es kein Halten mehr. Wer nicht von Anfang an dabei ist, spielt bald keine Rolle mehr. Wer nicht heute anfängt, hat eigentlich schon verloren. Je schneller der Zug fährt, desto schwieriger wird das Aufspringen. Kompetente Mitarbeiter müssen heute angeheuert, ausgebildet und gehalten werden. Firmenchefs müssen heute anfangen konkret nach Lösungen für ihre Kunden zu suchen. Das sind aber keine Produktverbesserungen mehr, das werden disruptive Prozesse sein, die das komplette Unternehmen verändern. 

Wann fangen Sie an? Heute oder morgen? Mit wem, wer bringt sie auf Trab, zeigt Ihnen eine mögliche Richtung, die zu Ihrem Unternehmen passt? Schaffen Sie das wirklich aus eigener Kraft oder brauchen Sie vielleicht doch besser kreative Berater, die Ihnen den neuen Weg zeigen? Fangen Sie endlich an!

Übrigens: die silbernen Sargnägel für den deutschen Mittelstand werden genau jetzt produziert, in China, Südkorea, Japan und dem Silicon Valley. Und Danke für Ihre Rückmeldung und Meinung!

Kommentare sind geschlossen.

Diese Seite verwendet Cookies, um die Nutzerfreundlichkeit zu verbessern. Mit der weiteren Verwendung stimmst du dem zu. Datenschutzerklärung