Der alte Hase schlägt den jungen

Der alte Hase schlägt den jungen

Vor einiger Zeit habe ich einen mehrwöchigen Kurs absolviert. Nahezu alle Teilnehmer hatten ein abgeschlossenes Studium hinter sich. Die ca. 30 Teilnehmer verteilten sich über alle Altersklassen, je 1/3 waren frische Studiumabsolventen, 1/3 gestandene Ü50 und das restliche Drittel irgendwo dazwischen. Als ältester Teilnehmer an einem Online-Kurs im eigenen Büro teilzunehmen, war für mich eine neue Herausforderung, aber zugleich eine interessante soziologische Studie.

Der Kurs setzte auf normalen Unterricht, wie an einer Schule, eben nur am eigenen PC. Der Kursleiter brachte zuerst den Stoff herüber, in kleinen, wechselnden Gruppen wurde das dann eintrainiert. Am Ende gab es eine praktische Abschlussarbeit, die ebenfalls in einer kleinen Gruppe innerhalb von 5 Tagen gemeinsam erarbeitet wurde.

Wenig überraschend, dass überproportional viele Studiumabsolventen in den Gruppenarbeiten recht kreativ waren. Das gilt nicht für alle, weil offenbar der Charakter oder die Sozialisierung mitentscheidend für das Querdenken ist. In den beiden anderen Alterskategorien gab es meines Erachtens nur jeweils eine Person, die abseits der eingefahrenen Wege nach Lösungen suchten.

Die Zusammenarbeit in den Gruppen lief m.E. dort am besten, wo sich Kreative und Routiniers ausgewogen ergänzten. Dabei war es zweitrangig, ob der Kreative jung oder alt war. Von Kreativen beherrschte Gruppen brachten eher praxisfremde Lösungen hervor, die im täglichen Leben wenig Bestand haben dürften. Gruppen voll von Routiniers lieferten hingegen eine Standardsuppe ohne Pepp, die im Alltag ebenfalls wenig Beachtung finden würde.

In jedem Fall war es für die Kreativen schwierig die Routiniers davon zu überzeugen, dass ihr Weg der erfolgversprechendste ist. Den jungen Kreativen fiel das wesentlich schwerer, als den beiden „Altkreativen“. Hier zählt dann offenbar wieder das Senioritätsprinzip, um den erforderlichen Nachdruck zu erzeugen. Oder eben die jahrelange Erfahrung im Umgang mit bremsenden Routiniers.

Quintessenz: Nur wenige der ehemaligen Kreativen werden am Ende des Berufslebens noch kreativ sein. Das Berufsleben schleift sie ein und fügt sie harmonisch in das Feld der Routiniers. Wer als Ü50 noch kreativ geblieben ist, verfügt zusammen mit den in vielen Feldern gemachten Erfahrungen über eine einmalige Kombination, die ihn besonders wertvoll machen. Der „Altkreative“ ist der Macher, der immer einen Weg findet.

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