Musk und TESLA, das Schauspiel zum Anschauen

Musk und TESLA, das Schauspiel zum Anschauen

Elon Musk ist ohne Zweifel ein Visionär, ein Multitalent, der Projekte voranbringt. Er vereint einige Eigenschaften, die jeder Unternehmer haben sollte, in seiner Person oder in seinem innersten Team.

Elon Musk ist selbstsicher genug, dass seine technischen Ideen im Großen wie im Kleinen auch umzusetzen sind. Es muss für ihn ein Horror sein zu sehen, wie andere Unternehmen Autos oder Raketen bauen. In vielen Dingen sieht er Verbesserungspotenzial, das andere nicht sehen. Er hinterfragt Dinge, die andere einfach so akzeptieren, weil der Kollege da vielleicht kompetenter ist. Das Multitalent Musk mischt sich überall ein und kann überall mitreden – und tut es auch. Er hat keine Angst mal etwas falsches zu sagen oder zu tun. Der Mut auch mal einen Schritt zurück zu gehen, massive Schelte einzufangen, das fehlt ihm sicher nicht. Er weicht keiner Diskussion aus, selbst wenn die Welt sich gegen ihn verbündet.

Elon Musk ist ein Kämpfer, der an vielen Schauplätzen gleichzeitig bis zum Umfallen kämpft. Er ist die zum Leben erwachte Kinofigur in einem dramatischen Kampf um die Vorherrschaft auf dieser Welt. Permanent im Kampfmodus ist er für seine Gegner kaum zu schlagen. Ein Teil der Welt himmelt ihn an, der andere verachtet ihn. Aber jeder Kämpfer hat auch seine Grenzen. Der Unterschied zwischen der innovativen Rakete und dem innovativen Auto sind dabei beachtlich, zwei komplett unterschiedliche Schlachtfelder.

Das Multitalent Musk konnte in der Raketentechnologie mit einer begrenzten Anzahl an Gegnern in einem recht übersichtlichen Terrain erfolgreich auftreten. Die bisherige Technologie in diesem Feld glänzte durch stetige Entwicklung und setzte voll auf Zuverlässigkeit, bei einer überschaubaren Stückzahl pro Jahr. Elon Musk hat hier seine Träume ausgelebt und die Technologie auf den Kopf gestellt. Die wiederverwendbare Rakete hatte bis dato niemand ernsthaft entwickelt. Raketen wurden von staatsnahen Unternehmen gebaut, die eher durch Behäbigkeit glänzen, auch in Amerika. Musk hat es einfach gemacht, mit dem Rücken zur Wand. Sein privat finanziertes Unternehmen musste liefern, was dem Kämpfer Musk alles an Ideen und Überzeugung abverlangte. Die Konkurrenz hat ihn vielleicht heimlich beneidet, aber stetig den Trend verschlafen.

Im Automobilsektor ist die Schar der Gegner wesentlich höher und wesentlich motivierter. Musk hat bewiesen, dass er in begrenzter Stückzahl innovative Luxuslimousinen bauen kann. Allerdings sind diese bisher nicht kostendeckend zu verkaufen. Schnell hat er erkannt, dass TESLA nur mit hohen Stückzahlen profitabel werden kann. Das Modell 3 ist sicherlich der richtige Schritt in diese Richtung, preisoptimiert und für die Großserie konstruiert. Im Gegensatz zu den handgebauten Modellen S und X sind die Probleme beim Modell 3 in der Fertigungstechnologie, weniger beim Fahrzeug. Hier hat sich Elon Musk auf ein neues Kampffeld bewegt, dass er bisher noch nicht kannte. Eine hochkomplexe Logistik muss plötzlich beherrscht werden, die erst einmal vollkommen unabhängig vom Produkt besteht.

Ob der geniale Elon Musk in diesem Umfeld bestehen kann, ist fraglich. Jetzt geht es nicht mehr um innovative Ideen, sondern um äußerst genaue Verzahnung von vielen internen und externen Stakeholdern. Das Problem ist Elon Musk sehr bewusst geworden, wie seine unberechenbaren Attacken via Twitter zeigen. Der Kämpfer in der Ecke ist für jede Überraschung gut, für den grandiosen Sieg in letzter Minute, aber auch für den heldenhaften Untergang. An den Ladestationen von TESLA werden wir das Ergebnis in naher Zukunft erleben dürfen.

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